Online-Debatten zur Väterkarenz als Spiegel unserer Gesellschaft
Marlene Schuster erforscht in ihrer Dissertation, wie Online-Kommentare über Väterkarenz unsere Gesellschaft spiegeln.
Ob in den Kommentarbereichen großer Medien oder in alltäglichen Gesprächen – kaum ein sozialpolitisches Thema sorgt für so viel Zündstoff wie die Frage, ob Väter für ihre Kinder beruflich zurückstecken sollten. Genau mit diesem gesellschaftlichen Spannungsfeld beschäftigt sich Marlene Schuster, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Wissenschaftsmethodik & Marktforschung, in ihrer Dissertation. Im Fachartikel für den Informationsdienst beziehungsweise des Österreichischen Instituts für Familienforschung (ÖIF) zeigt sie, weshalb Online-Kommentare zur Väterkarenz weit mehr sind als bloße Stimmungsmache.
„Der Onlineraum ist eine beliebte Bühne für gesellschaftliche Aushandlungen“, so Schuster. „Ich wollte diese zugespitzten und kritischen Meinungen einfangen und herausarbeiten, welche Argumentationsmuster und Rechtfertigungen die Debatte um Väterkarenz prägen.“
Österreich im Stillstand
Schusters Analyse gewinnt im internationalen Vergleich besondere Relevanz. In Ländern wie Norwegen ist die verpflichtende Väterkarenz bereits etabliert – mit nachweisbaren Erfolgen in Sachen Gleichstellung. In Österreich hingegen zeigen sich trotz verschiedener Fördermaßnahmen nur geringe Veränderungen. Eine aktuelle Diskussion in Norwegen, ausgelöst durch Forderungen nach einer Verkürzung der Väterkarenz, zeigt, wie sensibel das Thema bleibt.
Hierzulande dominieren in der Debatte nach wie vor Argumente wie „Ich verdiene mehr“ oder „Für uns lohnt sich das nicht“ – begleitet von traditionellen Rollenbildern. Für Schuster sind das nicht nur individuelle Meinungen, sondern Ausdruck tieferliegender struktureller Hürden: "Die Beteiligung von Vätern an der Betreuung ist kein individuelles Versäumnis, sondern ein gesellschaftliches Merkmal. Politische Maßnahmen stoßen an ihre Grenzen, solange tradierte Rollenbilder bestehen bleiben.“
Rollenbilder und Rechtfertigungen
Gerade weil Onlinekommentare oft subjektiv, zugespitzt oder ironisch formuliert sind, bieten sie wertvolles Material für die Analyse gesellschaftlicher Einstellungen. „Ich will nicht herausfinden, wer etwas sagt, sondern wie argumentiert wird, welche Muster sich zeigen, wie Gerechtigkeit verhandelt wird und welche Rollenbilder unausgesprochen mitschwingen“, erklärt sie.
Im Mittelpunkt ihrer Arbeit steht ein theoretischer Ansatz aus der Soziologie der Konventionen. Dieser beleuchtet, wie Menschen ihre Handlungen und Entscheidungen begründen und was sie als legitim oder illegitim wahrnehmen. In digitalen Kommentarspalten zeigt sich das häufig durch Moralisierung, Empörung oder Abwertung und damit als Spiegel dessen, was gesellschaftlich als sagbar oder unsagbar gilt.
Für ihre Dissertation erhält Schuster eine Förderung von der Gesellschaft für Forschungsförderung Niederösterreich (GFF).
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